Arnolt aus Köln
Die frühe Geschichte der Familie beginnt mit einer Überraschung. Der erste beurkundete Träger unseres Namens, bzw. eines Namens, der dem unseren sehr ähnlich ist, war Rheinländer. Ein gewisser Arnolt Bloß wird 1170
erstmals in alten Urkunden der Stadt Köln erwähnt, also noch einige Jahrzehnte vor der Grundsteinlegung des Kölner Doms. Die niederdeutsche Sprache, die damals in der Region gesprochen wurde, bringt es wohl mit sich, daß Arnolt in
diesen historischen Dokumenten auch als Blothe zu Köln bezeichnet wird. Da es heute im Raum Köln nahezu keine Bloss oder Ploss mehr gibt, haben sich eventuelle Nachkommen von Arnolt später wohl auch für die Schreibweise Bloth oder
Blothe entschieden.
Ulricus und Co. aus Schwaben
Es vergehen noch genau 71 Jahre bis der Name wieder auftaucht.
Diesmal im süddeutschen Raum, genauer gesagt im heute bayerischen Regierungsbezirk Schwaben. Anno Domini 1241 testiert der Markgraf von Burgau die Verleihung eines Hofes an Ulricus Blosso in Tapfheim. Das Dokument wird in einem etwas
gebrochenen Latein abgefaßt:
„Ludovico Conite de Oetingen, et Ludovico, fratris filio, approbantibus, Ulricus Blosso, et uxor ejus Guta, ipsorum Comitum et soceri sui,
Marchionis de Burgowe, ministeriales, Richardo Caesariensi Abbati donant curiam unam in villa Tapheim. Testis: der Markgraue von Burgowe."
Im Jahr 1280, also noch einmal 41 Jahre später, erscheint Ulricus wieder auf einem amtlichen Dokument. Diesmal wird im wohl das Bürgerrecht verliehen. Ulricus ist, zumindest wenn man
die heutige Grenzziehung zugrunde legt, nicht nur der erste Bayer unter unseren frühen Namensvettern, sondern gleichzeitig (oder gerade deshalb) auch der erste, der seinen Namen mit „P“ schreibt. Das Lateinische bleibt mangelhaft:
„A.D. 1280: Coram Cunrado et Ottone, ver densibus civibus, dictis Patrius, Ulricus Plosse in Werdensi civitate, beatae Virgini Mariae in Caesarea tradit curiam in Tapfheim.“
Im Jahr 1318 verkauft Betzmann Ploss den sogenannten Großen Hof zu Anried, ein markgräflich-burgauisches Lehen, um 50 Pfund Pfennige an den Augsburger Bürger Bertold
Übele und Seyfried die Übelin. Nur zwei Jahre später, also immer noch im ausgehenden Mittelalter, tritt erstmals auch eine Frau in unserer mutmaßlichen Ahnenreihe in Erscheinung.
Ebenfalls im Schwäbischen Raum wird im Jahr 1320 eine Mechthilt Blößin aus dem Städtchen Heidenheim an der Brenz genannt. Kurz danach ist 1327 in der Stadt Augsburg von „des
Plossen Töchter“ die Rede. Die Gegend um Dillingen und Burgau liefert weitere Zeugnisse unseres Namens. Der kleine Ort Staufen wird in alten Dokumenten auch „Plossen Stauffen“
genannt. In Holzheim bei Dillingen verkaufen Ulrich der Plosse „zu Holzhain“ und seine Frau Anna von Hettlingen an den Domkapitular zu Augsburg im Jahr 1364 Burgstall mit Hofreite und
Hofsache sowie eine Mühle. Das nächste Dokument wird am 29. Mai 1370 („am Montag vor Philippen und Jacobs Tag“) in der habsburgischen Stadt Hall bei Innsbruck in Tirol verfaßt
(wiedergegeben in der Sprache des beginnenden 19. Jahrhunderts):
„Albrecht und Leupolt Herzoge zu Oesterreich bestätigen Eberhart dem Plozzen von Burgow die 2 Pfund Pfenning jährlicher Gült aus der Smidin Hofe und 3 Sölden zu
Burgow, welche ihr seliger Vetter Herzog Leupolt an Hartman und Perchtold die Plozzen um 20 Mark Silber verpfändet hat.“
Die Pacht von zwei Pfund Pfennigen wird 27 Jahre später – eine Inflation hat es offensichtlich damals noch nicht gegeben - durch Herzog Leopold von Österreich zu „Rotemburg am
Nekker“ bestätigt. Verändert hat sich lediglich der Name des Empfängers: Eberhart der Plözz. Eberhart der Plosse und Hainz der Plosse „von Harthussen“ sind am 16. Mai 1374 Bürgen und
Mitsiegler als der Ritter „Brun der Gusse von Liphain“ sein Halbteil an Burg und Stadt Leipheim an ihren Oheim Aulbrecht von Hohenrechberg verkaufen. Der Augsburger Jörg der Ploss kauft
im Jahre 1405 einen „neben dem Maierhof gelegenen“ Hof in Tragheim von Arnold von Gereuth in Horgau. Im Jahr 1408 wird Stephan Ploss, oder Stepffan des Plossen, ohne weiteren Bezug als Vogt zu Hochstetten genannt.
Ploss in Augsburg
Am 29. September 1415 erklärt der „Burggraf Fritz zu
Geräwt“ - wahrscheinlich nicht ganz freiwillig - vor dem Zeugen Gorig der Ploss, Bürger zu Augsburg, daß
„er des Domprobst zu Augspurg guter Freund heissen und sein und mit demselben und seinen Leuten ... im Argen nichts zu handeln haben wolle“,
kurzum, daß er die Kirche „richtig lieb“ hat und auch in Zukunft ohne zu murren alle Abgaben zahlt. Gorig der Ploss, oder Jörg Ploss, hat ein wesentlich besseres Verhältnis zur Kirche, oder
er handelt im vorauseilenden Gehorsam. Auf alle Fälle gibt er in jenen Jahren sein Gut in Au im Zusamtal bei Dinkelscherben dem Bischof von Augsburg zu Lehen. Das nächste Dokument in
Verbindung mit dem Namen Ploss handelt von einer Gefangenenfreilassung auf höchster politischer Ebene, besiegelt am 2. Januar 1417:
„Caspar von Plinthain zu Frustingen, von Ludwig, Herzog in Bairn, im Thurm zu Höchsteten gefangen gesetzt, weil er von den Bürgern zu Laugingen und Höchsteten und
Andres Frustinger grosser gegen sie und ihre Angehörige verübter Verbrechen und Misshandlung angeklagt wurde, wird durch Vermittlung Joahnns von Gumppenberg,
Comenthur des Teutschen Ordens von Werde, des Ritters Jorg von Katzenstein ... freigelassen, schwört Urfehde und gelobt, bis zum nächsten Jorgen Tag das Land
innerhalb der vier Wälder zu verlassenund ohne Erlaubniss dahin nicht wieder zurückzukehren. Bürgen und Mitsiegler: ... Egloff Ploss ...“
Kurze Zeit danach tritt 1422 wieder Egloff Ploß aus Holzheim in Erscheinung. Er zahlt in diesem Jahr 25 Gulden Steuern an die Stadt Augsburg. Egloff stammt aus einer burgauischen
Ministerialenfamilie und gewinnt innerhalb kurzer Zeit die Herrschaft über mehrere Höfe und Ländereien in der Region. So vermachte ihm der Lehensherr Ulrich von Augsburg 1436 einen
Hof in Oberschöneberg. Unter anderem zahlt auch der Ort Zusmarshausen bzw. dessen Einwohner den Zehnt an Egloff. Später ist Egloff Ploß im diplomatischen Dienst tätig. Im Jahr
1439 wird er zusammen mit einem Hans Behaim als Gesandter der Stadt Augsburg in Wien genannt. Am 4. April 1431 besiegelt Jörig Ploss, „Bürger zu Augspurg“ ein Dokument, nach
welchem einem Hainrich Huber zu Medeshofen vom Domkapitel zu Augsburg „5 Jaucherte Ackers zu Vsterspach“ verliehen werden. Bei den Herren Görg, Jörig und Jörg handelt es sich
ganz offensichtlich stets um die selbe Person. Sehr zum Leidwesen späterer Forscher nahm man es damals mit Personen- und Familiennamen in amtlichen Dokumenten noch nicht so genau wie heute.
In Augsburg, der vermutlich ältesten Stadt Deutschlands, wo gerade die Kaufmannsfamilie von Jakob Fugger (dem Älteren) zu Geld, Macht und Ehren kommt, heiratet im Jahr 1449 eine
Catharina Ploß einen gewissen Konrad Schmucker, seines Zeichens ebenfalls Bürger in Augsburg. Die junge Braut Catharina ist aller WahrÂscheinlichkeit nach die Tochter des
„Diplomaten“ Egloff und wohl auch mit dem „Streitschlichter“ Jörg verwandt.
Ebenfalls aus Dillingen, und damit wohl auch aus der „Sippe“ von Egloff Ploß, stammt eine Familie, die um das Jahr 1480 erstmals in den amtlichen Urkunden erscheint und die es dann
später auch nach Göppingen, Kirchheim/Teck und schließlich wieder nach Augsburg verschlägt. Die männliche Linie dieser Familie trägt sinnigerweise über acht Generationen den schönen
Namen Octavianus Ploss (der I. bis der VIII.) und bringt unter anderem Stadtschreiber, BergwerksÂdirektoren, Apotheker, Bürgermeister (in Kirchheim/Teck) und Ärzte hervor. Ab
ca. 1800 sind in den Aufzeichnungen keine männlichen Nachkommen der Familie mehr überliefert.
Der ebenfalls aus Augsburg kommende Bürger Johann Ploß erhält durch den deutschen Kaiser Karl V am 20. September 1527 einen kaiserlichen Wappenbrief zugesprochen, darf also fortan
ein eigenes Familienwappen tragen und wird in das königlich-kaiserliche Adelsarchiv aufgenommen.
Um 1550 tauchen Bloss in den Büchern der Stadt Münsingen auf. Genannt wird ein Georg Blos, der wohl vor 1475 geboren wurde und im Jahr 1529 verstorben ist. Seine beurkundeten
Nachkommen gehörten schnell zur Oberschicht des schwäbischen Ortes und waren in den nächsten Generationen unter anderem Räte, Pfarrer und Bürgermeister. Interessant sind dabei
die unterschiedlichen Schreibweisen des Namens: nach Blos (1550) gibt es später Plous (1551), dann wieder Blos (1554), bevor sich dann endgültig Bloß bzw. Bloss durchsetzt.
Eine erste Spur in Franken
Bereits sehr früh findet sich unser Name auch im Fränkischen, genauer gesagt im Gebiet zwischen Bamberg
und Nürnberg. Getreu dem Motto „fränkisch ist zänkisch“ ist ein Streit, den es zu schlichten gilt, das Thema. Am „Dinstag nach des heiligen Christs Tag“, dem 28. Dezember
des Jahres 1395 wird die folgende Urkunde unterzeichnet (wiedergegeben in der Sprache des beginnenden 19. Jahrhunderts):
„Günther Liebsperger zu Aurach entscheidet hinsichtlich der Zwistigkeiten zwischen den 12 Stuhlbrüdern im Dome zu Bamberg gegen Chunz Plosse zu Oberndorf wegen eines
Gutes zu Swurbz, dass Chunz Plosse dieses Gut inne haben, aber genannten Stuhlbrüdern jährlich 30 Schilling Heller, 8 Simmer Korn und Haber, 60 Eier, 4 Käse und 4 Hühner entrichten solle.“
Natürlich bekam die Kirche recht – und ordentlich was zu essen. Wie sich die 12 Herren Stuhlbrüder jedoch die 4 Käse und vor allem die 4 Hühner geteilt haben, ist leider nicht
überliefert. Es soll noch über 100 Jahre dauern, bis der Name Ploss wieder im Nordosten des heutigen Freistaats Bayern auftaucht.
Längenau
Unsere Familie ist seit genau 500 Jahren in dem kleinen
Ort Längenau nachweisbar, seit nunmehr elf Generationen oder ca. 350 Jahren sogar lückenlos. In der nahe bei Längenau liegenden Stadt Selb und in deren Umland leben auch heute noch mit Abstand die meisten Ploss oder Ploß.
Das „Landbuch der Sechsämter“ von 1499 vermerkt für Längenau nur 1 ½ markgräfliche Höfe mit zwei Besitzeinheiten. Längenau hat im Jahr 1499 etwa 105
Einwohner und gehört damit zu den wichtigeren Dörfern im Amt Selb. Unter „Lenngenaw“ findet man folgende Eintragungen:
„Nickel Plos hat einen halben hof mit 10 tagwerck wismats unnd 12 tagwerck felds, dartzu 1 kleins weirlein. Zinst 2 gulden, steurt 5 ß. Des wismats ligen 5 tagwerck bey dem
hof, stost an den Raitnbach, an sein aigen feld; 1 tagwerck ligt in des Artzbergers feld; 3 tagwerck im Schlucht gelegen, stost Fridl Gruner an in; 1 tagwerck stost an sein hof; 12
tagwerck felds beyeinander an einer zelg, stost oben daran der Artzberger und Hans Forster; 1 weirlein, uf ½ tagwerck geacht, ligt im Schlucht in seinem wismat. Item ir
jeder gibt von jeder kue ein kes, Zehenthuner; geburt der dritteil der herschaft, der ander dritteil dem ambtmann gein Tierstein und der dritte dritteil dem pfarrer. Item dartzu
geben sie den Zehenden von lemern und gensen; geburn 2 teil der herschaft und der dritteil dem pfarrer. Der ander Zehent vom getraid ist der Raitnbach. Item sie haben
kaufrecht an irem gut, das einem ungeverlich gellten mag 50 oder 60 gulden. Item ir jeder gibt 1 meslein forsthaberns dem forstknecht am Selberwald. Item mit dem gericht gehorn sie gein Selb.“
Im Jahr 1499 taucht in Längenau auch ein gewisser Hans Behaim auf. Wir erinnern uns, daß Egloff Ploss zusammen mit einem Hans Behaim Gesandter der Stadt Augsburg in Wien war.
Sowohl Ploss (oder Ploß) als auch Behaim (oder Beheim) sind nicht gerade häufig vorkommende Familiennamen. Die Tatsache, daß diese Namen im 15. Jahrhundert paarweise
in Augsburg und in Längenau auftauchen, gibt Anlaß für allerlei Spekulationen, die jedoch weder bestätigt noch widerlegt werden können.
Das Kapitel „Jerlich Zinst von weyernn, wissen unnd eckern, geraumbt in den vorgeschriben Funffamtn“ des „Landbuchs von 1499“ beschäftigt sich mit weiteren Steuern
der markgräflichen Untertanen. Im Abschnitt „Uffm lannd im Ambt Selb“ ist aufgeführt: „Plos von Lengenaw ½ ß von einem drum wißmats im Rospach, ist ein virtel eins tagwercks.“ Im Abschnitt „In Lengenaw forsthaber“ ist die Abgabe für den Bezug von
Brenn- und Schleißholz festgelegt: „1 virtl Veit Ploß, ½ tag fron“. Den Namen Veit Ploß findet man im „Landbuch von 1499“ unter „Plesberg“ (Plößberg) noch einmal: „Item so hat
der Newstetter in disem dorff ein hof, haist der paur Veit Plos.“
Der „Newstetter“ oder Neuenstetter ist der Lehensherr. Veit Plos war als sogenannter „Hintersasse“ dieser Familie also nicht wie sein Namensvetter Nickel Plos direkt den Markgrafen in Kulmbach unterstellt.
Dokumente nach dem Dreißigjährigen Krieg
Gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges ist auch das
Sechsämterland total verwüstet. Nur noch wenige Bewohner sind am Leben geblieben. Viele davon sind mit unbekanntem Ziel geflohen. Die Obrigkeit versucht trotzdem noch etwas
zu holen. Die Liste der „Steuerschuldner der Sechsämter“ aus dem Jahr 1645 ernüchtert sicher auch diejenigen, die sie verfaßt haben. Sie ist eine schmerzende Bestandsaufnahme
von Leid und Elend drei Jahre vor dem Ende des Krieges. Die Orte Ober- und Unterweißenbach bei Selb stehen hier stellvertretend für viele Dörfer und Städte in der Region:
„Hannß Grüners Erb, so das haus eingefallen, öedt und nichts zu erholen. Hanns Bayreutter, so von den Croaten im Wald ist darnider gehauen worden und das Güthlein
öed... Hannß Ploß, gestorben und verdorben... Endreß Ploß, so gestorben...“
Neben wenigen anderen Personen haben am Hammergut in Unterweißenbach auch „Urban Plossens Erben“ überlebt. In Neuhausen bei Selb sind nur noch sechs potentielle Steuerzahler
anzutreffen, einer davon ist Nicol Ploß. In Längenau werden als mögliche Steuerschuldner Peter Goldschalds Erben genannt und Paulus Ploß. Niemand sonst.
Das Leben in dem kleinen Dorf geht dennoch weiter. Ein Jahr später fällt die Zollsäule um. Ein derartig staatstragendes Symbol muß natürlich möglichst schnell wieder aufgestellt werden.
Nicol Ploß und Adam Ploß aus Längenau werden am 17.8.1646 damit beauftragt den entstandenen Schaden zu beheben. Wahrscheinlich bringt dieser Auftrag in Zeiten von Hunger
und Not ein kleines Zubrot für die beiden markgräflichen Untertanen. Am 28.8.1669 wird Heinrich Ploß als Besitzer einer Wiese an der Steinfurt bei Buchwald und Hans Ploß als
Besitzer einer Wiese am Öhrlteich bei Buchwald in den Grundbüchern erwähnt. Der Bauer Heinrich Günthert gründet mit 20 fränkischen Gulden eine wohltätige Stiftung. Mit den Zinsen
wird alljährlich an Johanni Brot für die Armen ausgeteilt. Am 7.1.1722 erhält Daniel Ploß in Längenau das Kapital mit der Auflage, daß er es im nächsten Jahr mit den entsprechenden
Zinsen in Form von Brot wieder zurückgeben muß.
Selb
Das Stadtbuch von Selb gibt Auskunft über die zugezogenen Neubürger. Im Jahr 1648, dem Jahr in
welchem der Dreißigjährige Krieg zu Ende geht, wird der Schindelmacher Hans Ploß aus Weißenbach Bürger von Selb. Im Jahr 1660 wird Heinrich Ploß aus Vielitz eingebürgert. Heinrich ist als einer von 16 Zeugen dabei,
als man am 16.4.1663 eine Rainung zwischen der Stadt Selb und dem Rittergutsbesitzer Conrad Friedtrich von Raitenbach auf Erkersreuth begeht. Am 2.4.1738 erwirbt Johann Ploß, ein Metzgerknecht aus
Längenau, das Bürgerrecht und leistet den entsprechenden Bürgereid. Im gleichen Jahr wird Johann Metzgermeister, ab 1749 ist er als „Schlüsselmeister“ einer der führenden Köpfe der Selber Metzgerzunft.
Die nächste Geschichte berichtet von einem armen Untertanen, an dem sein Grundherr wegen einer Nichtigkeit ein Exempel statuieren will. Johann Ploß aus Lauterbach nordöstlich von Selb,
ein Hintersasse des Ritterbesitzes Asch, hat unerlaubterweise von einem fahrenden „Salzkärrner“ Salz gekauft. Der Rittergutsbesitzer Joseph Adam von Zedtwitz protestiert am 24.5.1672 dagegen und verlangt 20 Taler Strafe.
Südöstlich von Selb liegt das Dorf Mittelweißenbach. Von hier stammt ein gewisser Nicolai Ploß. Dessen Tochter, Ursula Ploß, heiratet am 24.1.1688 in Kulmbach einen gewissen Hans
Neukam (1646 -1712). Besagter Nicolai Ploß ist sehr wahrscheinlich identisch mit Hans Nicol Ploß, einem Rotgerbergesellen, der am 9.9.1676 eine Abstammungsurkunde erhalten hat, um in
die „Hauptstadt“ Kulmbach übersiedeln zu können. Dort taucht mehr als 50 Jahre später noch einmal ein Rotgerber namens Johann Ploß auf, wahrscheinlich ein Nachkomme des alten Nicol.
Johann Ploß ist als „privilegierter Bürger von Culmbach“ dazu auserkoren worden, seinem Landesherren huldigen zu dürfen. Eine detaillierte „Huldigungsliste“ sieht vor, daß er dies
während eines Umzugs des Markgrafen am 26. Mai 1727 im „Ersten Viertel der Vorstadt“ tun darf. Offizieller Titel dieser eigentlich unnützen Veranstaltung:
„Erbhuldigung Seiner Hochfürstlichen Durchlaucht Herrn Marggraffens Georg Friedrich Carls zu Brandenburg in Preußen zu Magdeburg ec. Hertzogens in Dero Stadt und Vorstädten Culmbach"
Müller im Sechsämterland und anderen Gebieten
Das Buch "Mühlen im Sechsämterland" von Arzberger
liefert eine Fülle wertvoller Informationen nicht nur zur Geschichte der Mühlen in dieser Region sondern auch zur Geschichte der Familie Ploss. Die Zunftbücher der Selber Müller von 1666 bis 1870 ergänzen die Angaben des
Autoren. Eine lange Reihe von Namensvettern sowohl in Bayern als auch im benachbarten Böhmen übten den Beruf des Müllers aus. Im Sechsämterland beginnt die Geschichte der Mühlenbesitzer und –pächter
mit dem Namen Ploß noch während des Dreißigjährigen Krieges:
Im Jahr 1639 erscheint ein gewisser Nikol Ploß als Müller der Ruchenmühle (später auch Baumgärtelmühle) am Lohbach in Neuhausen nördlich von Selb. 1666 ist Johann Ploß als
Müller der Sandmühle (am Flitterbach) bei Röthenbach genannt. Sein Schwiegersohn Johann Gerlach, der Ehemann seiner Tochter Ursula Ploß, ist von 1678 bis 1686 Müller auf derselben
Mühle gewesen. Er wird auch in Verbindung mit der Kammer- oder Rangenmühle genannt. Hans Ploß ist von 1685 bis 1695 Müller auf der Unteren Mühle (am Lehstenbach) in
Reicholdsgrün. Johann Ploß, zugezogen aus Friedrichsreuth bei Asch, ist von 1728, als er sein Meisterrecht erwirbt, bis 1775 Müller auf der Penzelmühle (am Selbbach) in Mühlbach. Diese
Mühle wird zeitweise auch die Ploßenmühle genannt. Weitergeführt wird die Mühle von Johann Christoph Krippner, der wahrscheinlich der Schwiegersohn von Johann Ploß ist.
Wahrscheinlich derselbe Johann Ploß wird vor 1770 auch als Müller der Petermühle (auch Summamühle genannt) am Buchbach in Brunn bei Selb erwähnt. In den nächsten drei Jahren
führt er die Geschäfte zusammen mit seinem Schwiegersohn Johann Christoph Krippner, bevor wieder ein Johann Ploß von 1773 bis 1791 als Müller, Ladenmeister der Zunft und
Schlüsselmeister der Zunft genannt wird. Ob dies immer noch der ehemalige Müller der Penzelmühle ist, kann nicht eindeutig geklärt werden. Nach einem Georg Korndörfer, der von
1791 bis 1807 „auf der erheirateten Ploßischen Mühle zu Brunn“ sitzt, sind wieder drei Generationen Ploß anzutreffen: Johann Adam Ploß von 1807 bis 1812 (in dieser Zeit auch
Ladenmeister der Müllerzunft), Johann Andreas Ploß von 1814 bis 1842 und schließlich Balthasar Ploß von 1849, als er das Meisterrecht erwirbt, bis 1870. Nachdem der letzte Müller
Balthasar Ploß unverheiratet und kinderlos stirbt, wird der Betrieb der Mühle eingestellt. Um 1900 wird diese dann abgebrochen. Ernst Ploß ist 1752 Geselle auf der Mittleren Mühle (an
der Lamitz) in Kirchenlamitz. Adam Ernst Ploß ist von 1773 bis 1783 auf der Reichelmühle (am Bernsteinbach) in Unterweißenbach und gleichzeitig Schlüsselmeister der Zunft. Auf der
Witzlebenmühle (am Bibersbach) bei Höchstädt finden sich mehrere Generationen einer Familie Ploß: Johann Ploß von 1863 bis 1888, Johann Georg Ploß von 1888 bis zu seinem Tod 1922
und Christian Ploß von 1922 bis zu seinem Tod im Jahr 1954.
Im benachbarten Böhmen sind ebenfalls schon sehr früh Ploß als Müller registriert. Auf der Obermühle oder Ersten Mühle unter Asch sind nacheinander fünf Generationen Ploß als Müller
und später auch als Zimmerleute überliefert: Hans Ploß (1611 bis 1682), Johannes Ploß (1639 bis 1693), Cristian Ploß (1681 bis 1731), Johann Cristian Ploß (geboren 1706) und Johann Christoph Ploß (geboren 1741).
Müller mit dem Namen Ploß sind ganz offensichtlich aus dem Sechsämterland oder dem benachbarten Böhmen auch in andere Regionen Deutschlands gezogen und haben sich dort
niedergelassen. Im niedersächsischen Ort Eldagsen in der Nähe von Hildesheim wird am 31.8.1787 Johann Friedrich Konrad Ploß geboren, der später als Mühlenpächter in Billerbeck
registriert wird. Sein Sohn Johann Bernd Heinrich Ludwig Ploß (1816 bis 1865) gibt als Beruf Mühlenbauer an und lebt im Städtchen Boffzen im Solling, einem Teil des Weserberglandes.
Dessen Sohn Friedrich Karl Ludwig Ploß (1840 bis 1902) ist später ebenfalls Mühlenbauer in Silberborn.
Grünhain
Mit dem beginnenden 16. Jahrhundert erscheint der Name Ploss bzw. Ploß erstmals auch in Sachsen, im Städtchen Grünhain im westlichen Erzgebirge. In Grünhain werden zwischen den
Jahren 1524 und 1541 einem gewissen Matthäus Ploß insgesamt sechs Kinder geboren: Hans Ploß (geboren 1524, später verheiratet mit Hanna Riedel), Johannes I Ploß (geboren 1527,
später verheiratet mit Barbara Janke), Christiana Ploß (geboren 1530), Johannes II Ploß (geboren 1535, später verheiratet mit Johanna E. Hofmann), Christoph Ploß (geboren 1538)
und Johanna Ploß (geboren 1541, später verheiratet mit Friedrich Habla). Matthäus müßte demnach etwa um das Jahr 1500 herum geboren worden sein. Wann genau und wo ist
unbekannt. Auch über die Mutter der sechs Kinder gibt es keine Angaben. Über das weitere Schicksal der Kinder von Matthäus Ploß gibt es derzeit noch keine verläßlichen Informationen.
Wahrscheinlich haben sie das westliche Erzgebirge schnell verlassen. Der Name Ploß taucht jedenfalls später in dem kleinen Städtchen nicht wieder auf.