Drei rote Rosen von Kaiser Karl V.
Auf der Suche nach dem Namen Ploss wird man in Siebmachers
Bändchen „Abgestorbener Bayerischer Adel“ fündig. Das dort dargestellte Wappen und seine Verleihung wird bei Siebmacher näher beschrieben.
Der aus Augsburg kommende Bürgerliche Johann Ploß erhielt demnach durch den deutschen Kaiser Karl V am 20. September 1527 einen kaiserlichen Wappenbrief zugesprochen, durfte also fortan ein eigenes Familienwappen tragen und wurde in das königlich-kaiserliche Adelsarchiv aufgenommen.
Die Registraturkopie des Wappenbriefes im k. k. Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien gibt folgende Beschreibung des Wappens:
„Nemblich ainen b(lauen) Schilt habend in ainer r(oten) Straß von dem undern linckhen biß in das ober recht Eck gezogen drey g(oldene) Rosen aufwerts nacheinander. Auff dem Schildt ainen Helmb gezieret mit g(oldenen) Rosen“
Siebmacher bezeichnet diese Beschreibung hinsichtlich des Helmschmucks als „lückenhaft“. Bei Zimmermann „Augsburger Zeichen und Wappen“ ist der Schrägbalken nicht rot sondern golden und die Rosen dafür rot statt golden. Diese Farbgebung würde auch eher den heraldischen Regeln entsprechen, die rot auf blau als eigentlich „unerlaubte“ Farbkombination ansehen. Über die Bedeutung dieses Wappens kann nur spekuliert werden. Die Rose ist neben der Lilie die beliebteste heraldische Blume. Bemerkenswert ist jedoch, daß die Augsburger Familie der Welser ebenfalls drei Rosen in ihrem Wappen führt.
Der kaiserliche Wappenbrief wurde Johann Ploß „von Augsburg“ am
20. September 1527 nicht in Augsburg oder Wien oder einer sonstigen wichtigen Stadt des „Heiligen Römischen Reiches“ erstellt, sondern in einem Ort namens Polenz. Im heutigen Deutschland gibt es drei kleinere
Ortschaften mit diesem Namen. Alle liegen in Sachsen: In welchem Polenz der Wappenbrief ausgestellt wurde ist bis heute unklar. Es spricht vieles dafür, daß es Polenz bei Dresden war, denn diese
Gegend war in jener Zeit ein Zentrum des Gold- und Silberbergbaus. Viele der Bergwerke in Sachsen gehörten den Augsburger Familien der Fugger und Welser oder trieben zumindest mit diesen Handel, und so
ist es kein Zufall, daß auch häufiger Augsburger Bürger in diese Gegend kamen. Johann Ploß könnte also ein Angestellter eines dieser international operierenden Handelshäuser gewesen
sein, der sich am 20.9.1527 auf einer „Dienstreise“ in Sachsen befand. Oder war er dahin ausgewandert? Diese Frage muß noch geklärt werden.
Andere bürgerliche Ploss-Wappen
Sowohl Siebmacher als auch Zimmermann kennen weitere bürgerliche
Ploss Wappen, die jedoch bezüglich ihrer Träger, Tag und Ort der Verleihung bzw. ihrer Farbgebung in beiden Werken nicht näher beschrieben werden.
Diese Wappen weichen sehr von dem des Johann Ploß aus dem Jahr 1527 ab und finden sich auch jeweils nur in einem der Werke wieder.
www.ploss-online.de
